
Herkunft
Die Bayerischen Landzwerge wurden im Landkreis Straubing-Bogen in Niederbayern wiederentdeckt, wo sie über 60 Jahre lang als isolierter Bestand einer früher weit verbreiteten, bunten Landhuhnpopulation überlebt hatten.
Es handelt sich dabei um echte Urzwerge – also Hühner, die von Natur aus klein sind und nicht durch gezielte Zucht verkleinert wurden. Laut dem Geflügelexperten Armin Six handelt es sich um eine eigenständige Zwerg-Landhuhnpopulation, die vermutlich über osteuropäische Regionen nach Mitteleuropa gelangte – bereits mit ihrer heutigen, natürlichen Kleinwüchsigkeit.
Dank ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an das Klima, ihres ausgeprägten Brutverhaltens, ihrer Flugfreude und Pflegeleichtigkeit gelten die Bayerischen Landzwerge als ideale Hühner für eine naturnahe und robuste bäuerliche Haltung.
Geschichte

Die bunte Landhuhnpopulation Bayerns war früher in vielen Varianten auf Höfen im süddeutschen Raum verbreitet. Durch die systematische Auswertung historischer Gemälde des Münchner Tiermalers Julius Scheuerer (1859–1913) konnte ihre Existenz und Vielfalt eindrucksvoll belegt werden. Diese Darstellungen zeigen Zwerghühner mit genau jenen Eigenschaften, die auch heute noch bei den Bayerischen Landzwergen zu finden sind.
Die Wiederentdeckung eines lebenden Bestandes im Jahr 2020 durch Robert Höck (Happy Huhn) markierte einen Wendepunkt für diese fast vergessene Rasse. Seitdem wurden gezielt Erhaltungszuchtprogramme ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die ursprüngliche Vielfalt, das Verhalten und die besonderen Merkmale dieser Hühner zu erhalten. Statt starrer Standards steht bei der Zucht die natürliche Vielfalt und Farbigkeit im Vordergrund.
Seither tauchen immer wieder Reliktpopulationen im bayerischen Raum auf, die zur genetischen Absicherung beitragen. Fachleute vermuten eine Verwandtschaft mit anderen europäischen Zwerg-Landrassen wie dem österreichischen Steinpiperl oder den Federfüßigen Zwerghühnern. Gezielte genetische Forschungen sind für das Jahr 2025 geplant, um diese Zusammenhänge wissenschaftlich zu untersuchen und die Zuchtbasis weiter zu stärken.
Die Bayerischen Landzwerge stehen heute nicht nur für ein Stück lebendiger bayerischer Kulturgeschichte, sondern auch für eine artgerechte, vielfältige und zukunftsfähige Form der Hühnerhaltung.
Ein bayerischer Fasanen-Züchter im Gespräch:
„Ich stamme aus dem bayerischen Wald. Ich habe mit 8 Jahren von meinem Onkel die ersten Zwergerl bekommen und züchte sie seither mit Unterbrechung meiner Ausbildungszeit. Das Ganze ist 35 Jahre her. Zu dieser Zeit waren die Zwergerl in unserer Gegend noch sehr häufig. Es gab sie in unterschiedlichen Farben, die auch reinrassig gezüchtet wurden. Die häufigsten Farben waren porzellanfarbig, wildfarbig, schwarz rotgesattelt und selten weiß. Die meisten waren einfachkämmig, es gab sie aber auch in rosenkämmig. Die Hühner wurden hauptsächlich zum Ausbrüten der Legehennen verwendet. Als ich nach meiner Ausbildungszeit wieder Zwergerl wollte, musste ich feststellen, dass es keine mehr gab.
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hatte so unrentable Tiere unnötig gemacht. Lediglich ein Züchter hatte noch die Urtypen. Aus dieser Linie stammen meine Tiere. Bis vor kurzem konnte man immer wieder Tiere auf Taubenmärkten zukaufen. So habe ich eine zu starke Inzucht vermieden. Mittlerweile habe ich hauptsächlich porzellanfarbige. Ich züchte Fasanen und nutze die Zwergal als Ammen. Bis vor ca. 5 Jahren dachte ich, ich bin der letzte Züchter. Schön, dass sich nun auch andere Züchter für diese tollen und ursprünglichen Tiere einsetzen.“
Der Züchter weiter über die Lauffarbe: “Meine Meinung dazu ist, dass die gelben Füße von Italienern kommen. Früher hatte jedes Tier einen Zweck. Bei den Zwergerl wurde der gute Brutinstinkt dazu genutzt, um die Legerassen ohne Bruttrieb auszubrüten. Das waren bis zu den Legehybriden hauptsächlich Italiener und Leghorn. Da ist es doch sehr wahrscheinlich, dass hier ein Genaustausch stattgefunden hat und so die gelben kamen.“

